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Fahren Sie vorsichtig!

Tipps und aktuelle Fahrberichte - exklusiv von Motorjournalist Werner Müller


Dauer-Baustellen provozieren Riesenstaus und Unfälle

Die Polizei berichtet von einer rapiden Steigerung der Unfallzahlen auf Autobahnen rund um Köln. Die Ursachen: Raser, Drängler, zu dichtes Auffahren. Doch die Gründe sind nicht so eindeutig

Es ist ja einfach: Die Autofahrer sind schuld. Doch so simpel ist die Unfall-Analyse auf den Autobahnen unserer Region nicht. Denn der Unfallschwerpunkt "Kölner Ring" hat eine besondere Eigenart: Auf den starken Durchgangsverkehr von der A3 in Nord-Süd-Nord-Richtung und der A1 in West-Ost-West-Richtung trifft der Kölner Berufsverkehr. Der Kölner Ring ist de facto eine Stadtautobahn mit Fernverkehr. Und das führt tagtäglich zu Stress bei den Berufspendlern und den im Stau stehenden Fernreisenden. Die vier wichtigsten Gründe:

Baustellen Die Kölner Autobahnpolizei legte es selber dar: Am Stauende und im Baustellenbereich nahmen die Unfälle im ersten Halbjahr 2011 um bis zu 27 Prozent zu. Die Baustellen mit der Autobahn-Tunnelung auf der A1 und dem vierspurigen Ausbau der A3 zwischen Köln-Dellbrück und Leverkusen sind dafür die Hauptursachen. Stauende bis zum Stillstand, sehr enge Baustellen, extrem viel LKW- und Berufsverkehr: Das kann nicht immer gut gehen.

Auf jeder Umfahrung von Köln herrscht Baustellen-Psychoterror. Die kilometerlangen Fahrten in engster Kolonnenfahrt machen Angst oder schüren Aggressionen. Da bleibt für die Autofahrer nur: Ganz cool bleiben, nicht durch Drängler oder LKW nervös machen lassen. Auf die rechte Spur wechseln, sein Tempo einhalten und durchatmen.

Zu dichtes Auffahren In der meist vorherrschenden Kolonnenfahrt auf den stark befahrenen Autobahnen halten viele Autofahrer tatsächlich zu wenig Abstand. Viele lassen sich durch das gleichmäßige dahinrollen zu dichterem Auffahren verleiten. Dabei muss der Mindestabstand bei 80 km/h schon 20 Meter betragen, bei 100 km/h sind 25 Meter das Minimum. Und das sind immerhin rund 5 Fahrzeuglängen. Wer das unterschreitet, muss mit saftigem Bußgeld rechnen.

Bei weniger als 12 Meter Abstand sind bei 100 km/h nicht nur 160 Euro fällig, sondern auch ein Fahrverbot von einem Monat sowie 3 Punkte im Flensburger Zentralregister. Beispiele für Gegenargumente, die aber nicht zählen: "Der Hintermann hat gedrängelt, deshalb bin ich dichter aufgefahren."

"Vor mir ist eine in die Lücke gefahren." "Die fahren doch alle im gleichen Abstand." Tatsache ist, dass im dichten Verkehr zu wenig Abstand gehalten wird. Wenn dann einige Fahrzeuge vorher heftiger gebremst werden muss, kann es schnell zu einem Auffahrunfall kommen, weil man nicht mehr rechtzeitig reagieren kann. Erst nach einer gewissen Reaktionszeit, verlängert noch durch Ablenkung (Musik, Gespräche, Rauchen), bemerkt man die Bremslichter und betätigt dann erst die Bremse.

Fakt ist, dass man mit 80 km/h in jeder Sekunde 22 Meter zurücklegt. Selbst bei 50 km/h sind es pro Sekunde noch 14 Meter. Deshalb: Auch wenn man wegen des Vordermanns abbremsen muss, immer ausreichend Abstand halten, nicht auf den Vordermann aufschließen. Faustregel: Mehr als 25 Prozent des Tachowertes. Bei 100 km/h also mehr als 25 Meter.

"Raser und Drängler" Die Autobahn-Polizei spricht bei 1782 von insgesamt 5053 Verkehrsunfällen von Geschwindigkeit/Abstand als Ursache. Auf den wenigen, freien Stücken auf dem gesamten Kölner Ring fahren tatsächlich viele Autofahrer zu schnell. Motto: Tacho plus 20 km/h.

Das Argument, dass man verlorene Zeit aus dem Staustehen aufholen muss, darf nicht zählen. Denn zu hohes Tempo führt beim nächsten Stau oder Autobahnkreuz fast zwangsläufig zu unnötigen Bremsmanövern und Unfällen durch zu geringen Abstand - ein Teufelskreis. Dem kann man aber durch Gelassenheit und gleichmäßigeres Tempo entkommen. Es sind nur Sekunden, die man auf dicht befahrenen Strecken durch zu schnelles, aggressives Fahren herausholt.

Mehrspurige Autobahnen verlangen Gewöhnung Nach dem Ausbau der A3 zwischen dem Heumarer Dreieck und Köln Ost auf fünf Spuren verringerten sich die Staus in der Hauptverkehrszeit schlagartig. Doch die Unfälle nicht. Im Gegenteil.

Meine Beobachtung bei fast täglicher Befahrung der Strecke: Die Autofahrer tun sich bei mehr als drei Spuren schwerer mit der Orientierung. Besonders wenn sie auf eine vielspurige Autobahn auffahren. Da tauchen schlagartig auf mehreren Spuren unterschiedlich schnelle Autos auf. Man muss die zudem die Spurwechsler vor einem beobachten und beim Einfädeln den starken Verkehr von hinten.

Besonders gefährlich ist in solchen Situationen das noch schnelle vorbeiziehen auf den rechten Spuren - etwa am Heumarer Dreieck. Besonders bei LKW befindet man sich schnell im toten Winkel. Beim Spurwechsel sehen einen die Brummi-Fahrer einfach nicht. Längere, aufgemalte, durchgezogene Linien und ein striktes Tempolimit von 100 km/h könnten Abhilfe schaffen. Die Tempo-Regelanlagen mit unterschiedlichen Geschwindigkeitsvorgaben, für die der Fahrer nach oben schauen muss, verwirren dagegen eher als sie helfen.

Mein Tipp: Sich wirklich zu mehr Abstand zwingen, nicht provozieren lassen, Tempo gleichmäßig fahren.
Eine Frage sei aber auch erlaubt: Müssen zwei so aufwändige und langwierige Monster-Bauvorhaben rund um Köln eigentlich zeitgleich erledigt werden? Damit nicht genug: Wer dem Stau durch eine Umfahrung durch Köln entfliehen will, steht auf der extrem stark befahrenen Zoo-Brücke erneut im Stau. Die wird nämlich auch gerade - vermutlich jahrelang - repariert.

Foto: dpp
Besonders auf mehrspurigen Autobahnen wie hier bei Leverkusen ist besondere Vorsicht geboten. Viele Autofahrer sind wegen der vielen Spuren unsicher.
Letzte Änderung: Montag, 15.08.2011 16:48 Uhr

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