Sich der eigenen Stärken bewusst werden

Landesweite Initiative "komm auf Tour" soll Jugendlichen bei der Berufsorientierung helfen

Kreis Euskirchen/Firmenich (pp). "komm auf Tour - meine Stärken, meine Zukunft", so hieß das Projekt das in der vergangenen Woche in der Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat in Firmenich Halt machte. Die landesweite Initiative wird von der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen veranstaltet und soll Jugendliche zur eigenständigen Planung ihrer späteren Lebens- und Berufswelt anregen. 

Rund 700 Jugendliche der siebten und achten Klassen der Haupt-, Gesamt- und Förderschulen des Kreises Euskirchen entdeckten dabei ihre eigenen Stärken und wie diese später für Berufs- und Lebensplanung nutzbar sind. "Du kannst mehr als du bislang weißt. Probier' aus was dir Spaß macht, zuhause, in der Schule und im nächsten Praktikum", so lautet die zentrale Botschaft des Projekts.

Von den landesweit 33 Agenturen für Arbeit, deren Berufsberaterinnen und Berufsberatern sowie mehr als 30 weiteren regionalen Partnern des Kreises Euskirchen wurde das Projekt verwirklicht. Koordiniert wurde "komm auf Tour" von der Kölner Firma "Sinus - Büro für Kommunikation GmbH". Sie legte die Tonfabrik in der Firmenicher Kultur- und Freizeitfabrik als Veranstaltungsort fest. Schließlich wurde für den Erlebnisparcours eine rund 500 Quadratmeter große Projektfläche benötigt.

Der Parcours bestand aus sechs Stationen: dem Reiseterminal, dem Labyrinth, dem Zukunftstunnel, der sturmfreien Bude, der Bühne sowie den so genannten Stärkeschränken, die der abschließenden Auswertung dienten. Die Erlebnisreise für die Schüler begann im Reiseterminal, mit einem kleinen Einführungsfilm des Raps "2020". Dieser sollte den Kindern Mut machen für die ersten Schritte in ihre meist ungewisse Zukunft.

Anschließend wurden die Kinder in vier Gruppen eingeteilt und den Stationen zugeordnet. Dort wählten diese, welche der vorbereiteten Aufgaben sie einzeln oder in kleinen Gruppen lösen wollten. Die vielfältigen Aufgaben spiegelten meist komplexe Alltagssituationen wider.

Einige erforderten Fantasie oder praktisches Geschick, bei anderen war der richtige Umgang mit Geld und Zahlen gefragt oder seinen Mitmenschen zu helfen. Zudem waren manche der Aufträge nur mit einer gehörigen Portion Organisationstalent oder einem guten Kommunikationsvermögen lösbar. Für die Wahl jeder Aufgabe und die unterschiedlichen mit ihr verbundenen Anforderungen vergaben die Mitarbeiter an den jeweiligen Stationen verschiedene farbige Aufkleber, die die Stärken der Schüler wiedergaben. Jede Gruppe verbrachte 20 Minuten an jeder Station und wechselte dann zur nächsten.

Eine besonders interessante Station war "Die sturmfreie Bude": Dort wurden die Teilnehmer mit dem Szenario eines unordentlichen Haushalts konfrontiert, der dringend auf Vordermann gebracht werden musste. Zunächst wurden den Jugendlichen bestimmte Aktionskarten zur Hand gegeben, die auf den ersten Blick sehr verlockend wirkten: "Shoppen" oder "Pizza für alle" hieß es dort. Doch was auf den ersten Blick ansprechend und positiv wirkte, führte den Kindern nach dem Umdrehen der Karte eine Verantwortung vor Augen: Bevor man Shoppen gehen kann, musste zunächst der Wasserhahn repariert werden.

"In der Regel entscheiden sich Mädchen bevorzugt für die Shopping-Karte, sie wundern sich dann, wenn sie plötzlich einem handwerklichen Problem entgegen sehen", schmunzelte Norbert Weber vom Euskirchener Jugendmigrationsdienst, der diese Station betreute.

Zum Abschluss sammelten sich alle Kinder vor den sieben Stärkeschränken. Dort sollten die Schüler ihre persönlichen Fähigkeiten festlegen, mit denen sie zuvor am häufigsten ausgezeichnet worden waren. Anhand der erkannten Begabungen, egal ob in handwerklicher, sozialer oder mathematischer Hinsicht, wurde festgelegt, zu welchem Stärkeschrank sich die Schülerinnen und Schüler begeben mussten. Da die verteilten Stärken mit Berufsfeldern verbunden waren, entdeckten die Jugendlichen dort, welche beruflichen Möglichkeiten auf sie warten könnten. Die Projektmitarbeiter unterstützten sie dabei und beantworteten Fragen.

"Der Erlebnisparcours regt an, die eigenen Interessen und Fähigkeiten für sich zu entdecken und das Selbstwertgefühl zu steigern. Wir wollen den Kindern nicht ihre Schwächen zeigen, sondern ihre Stärken. Zudem ist es uns auch wichtig klar zu stellen, dass es keine Klischeeberufe gibt. Frauen können durchaus in einem handwerklichen Betrieb und Männer als Pfleger arbeiten", stellte Sascha Böres von der Firma Sinus fest.

Damit die persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Ausbildungs- und Lebensweg nach dem Besuch des Parcours kontinuierlich weitergeführt wird, erhielten alle Jugendlichen ihr persönliches "komm auf Tour"-Logbuch. Die kleine Arbeitsbroschüre im Taschenformat motiviert über Selbsttests, Fragebögen und Informationen zu einer stufenweisen Entwicklung eines realistischen Selbstbildes. Zudem wird das Projekt in den Schulen nachbereitet und vertieft.

Die Kinder wiederum zeigten sich begeistert: "Ich wusste gar nicht, dass ich so gut rechnen kann. Jetzt kann ich mir langsam vorstellen, was ich beruflich machen könnte", so eine der teilnehmenden Schülerinnen.

www.komm-auf-tour.de

Foto: ES/ProfiPress
Ungewohntes Szenario: Bevor es zum Shoppen geht, muss erst die Armatur in der Küche repariert werden. Damit soll Verantwortung und ein Gefühl für Ordnung vermittelt werden.
Letzte Änderung: Mittwoch, 26.10.2011 11:22 Uhr

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